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Heute 27.02.2020 13:08:42 Quelle: dpa
ROUNDUP 2: Bayer-Ausblick unter Erwartungen - Glyphosat-Streit weiter im Fokus
(Neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Details zur Pharmasparte, Einordnung der Glyphosat-Rechtsrisiken, Details zum Verkauf der Tiermedizin) LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer erwartet 2020 mehr Umsatz und Gewinn. Dabei setzt der Konzern auf Zuwächse in der Pharmasparte und ein besseres Agrargeschäft, das 2019 über weite Strecken unter schlechtem Wetter in Nordamerika gelitten hatte. Allerdings geht Bayer damit vorsichtiger ins neue Jahr als von Experten erhofft. Mögliche Folgen der Coronavirus-Epidemie sind zudem noch nicht berücksichtigt. Überschattet wird die operative Entwicklung weiter von der Causa Glyphosat. Hier stieg die Zahl der Klagen in den USA weiter. Die Lösung des Streits könnte Bayer Milliarden kosten. Die Aktien gerieten am Donnerstag unter Druck. Die Zahl der US-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter wuchs dabei jedoch lange nicht mehr so schnell wie zuletzt noch. Bis zum 6. Februar wurden laut Bayer etwa 48 600 Klagen zugestellt. Der Kauf von Monsanto bringt Bayer denn auch viel Kritik von den Anlegern ein, weil sich der Dax-Konzern damit Milliardenrisiken ins Haus geholt hatte. Nach Niederlagen in den ersten drei Prozessen drohen hohe Schadenersatzzahlungen. Der Konzern will die Schuldsprüche in Berufungsverfahren zwar aufheben lassen, führt hinter den Kulissen aber auch Vergleichsgespräche unter Führung des Mediators und Staranwalts Ken Feinberg. Alle weiteren Verfahren wurden daher vertagt, um den Streitparteien Zeit für Verhandlungen zu verschaffen. Analysten rechnen mit einem Vergleich, womöglich schon bis zur Hauptversammlung Ende April. Mit Ablauf des Treffens wird auch der langjährige Aufsichtsratschef Werner Wenning sein Amt an den ehemaligen Manager des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers, Norbert Winkeljohann, übergeben. Konzernchef Werner Baumann, der als Ziehsohn Wennings gilt, betonte aber während der Pressekonferenz, dass es keine Frist gebe. Es werde so lange verhandelt, bis ein für Bayer zufrieden stellendes Ergebnis erreicht sein werde. Derweil wies der Konzern im Geschäftsbericht nun auch formal auf die Risiken der Glyphosat-Prozesse hin. Bei einer Verurteilung oder außergerichtlichen Vergleichen könnten erhebliche finanzielle Nachteile entstehen, heißt es im Risikobericht. Es könnte zusätzlicher Finanzbedarf entstehen, der eventuell auch durch eine Kapitalerhöhung oder einen Verkauf von Unternehmensteilen gedeckt werden müsste. Allerdings muss ein Risikobericht im Grunde alle erdenklichen Bedrohungen auflisten, so theoretisch sie sein mögen. Finanzchef Wolfgang Nickl betonte denn auch, dass Bayer angesichts des laufenden Verkaufs der Tiermedizin sowie der erwarteten Entwicklung des freien Mittelzuflusses für einen Vergleich gut gewappnet sei. Zudem könnten Brückenkredite genutzt werden. Allein der Verkauf der Tiermedizin soll Bayer 7,6 Milliarden Dollar (6,98 Mrd Euro) einbringen, den Großteil davon in bar, einen kleineren Teil in Aktien des Käufers Elanco. Der Verkauf soll bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein. Mit Blick auf die operative Entwicklung profitierten die Leverkusener im Schlussquartal 2019 von der fortgesetzten Erholung des Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten. Hier machte sich auch das Sparprogramm der Leverkusener bemerkbar. Deutliche Zuwächse verzeichnete die Pharmasparte. Hier brummte insbesondere das Geschäft mit den Verkaufschlagern Xarelto und Eylea. Der Blutgerinnungshemmer und das Augenmedikament sind schon länger die umsatzstärksten Wachstumstreiber. Mittlerweile machen die beiden Mittel rund ein Drittel des Umsatz der Pharmasparte aus. Allerdings wird der Patentschutz in wenigen Jahren auslaufen. Auch deshalb stärkt Bayer die Pharmasparte und sicherte sich vor rund einem Jahr die Rechte am Krebswirkstoff Larotrectinib (Vitrakvi). Und auch beim Prostatakrebsmittel Darolutamid, das unter dem Markennamen Nubeqa verkauft wird, gab es Fortschritte. Es ist bereits in den USA, in Brasilien und in Japan zugelassen und dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bald in Europa auf den Markt kommen. Darüber hinaus setzt Bayer mit dem Kauf von BlueRock Therapeutics verstärkt auf Stammzelltherapien zur Behandlung verschiedener Krankheiten; ganz konkret geht es hier erst einmal um die Suche eines Mittels gegen Parkinson. Die Agrarsparte verzeichnete aufs Jahr gesehen wegen der Monsanto-Übernahme zwar erhebliche Zuwächse, trat im Schlussquartal aber beim Umsatz auf der Stelle. Der Kauf des US-Saatgutkonzerns sorgte auf Konzernebene im Gesamtjahr 2019 für ein Umsatzwachstum von 18,5 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebitda legte um 28 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich blieben mit 4,09 Milliarden Euro 141 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Darin enthalten ist auch der Gewinn aus der Veräußerung der Beteiligung am Chemieparkbetreiber Currenta von 1,6 Milliarden Euro. Zudem hatten im Vorjahr noch Abschreibungen auf eine doch nicht benötigte Fabrik zur Herstellung eines Blutgerinnungsfaktors in Wuppertal sowie hohe Kosten für die Übernahme von Monsanto belastet. Die Dividende soll trotz des Gewinnsprungs mit 2,80 Euro je Aktie stabil bleiben. Der Umsatz des fortzuführenden Geschäfts soll 2020 vor Wechselkurseffekten um 3 bis 4 Prozent auf etwa 44 bis 45 Milliarden Euro wachsen. 2019 hatte das Wachstum auf dieser Basis bei 3,5 Prozent gelegen. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen sollen 12,3 bis 12,6 Milliarden Euro hängen bleiben, was ebenfalls mehr wäre als 2019. Der Markt hatte sich aber mehr erhofft. Analyst Richard Vosser von der Bank JPMorgan rechnet damit, dass die durchschnittlichen Markterwartungen nun etwas sinken dürften. Die Bayer-Aktien fielen bis zum Mittag um rund drei Prozent. In einem schwachen Gesamtmarkt war das Minus damit größer als das des Dax. Mit 67,83 Euro kosteten die Papiere aber immer noch deutlich mehr als zum Mehrjahrestief von gut 52 Euro vergangenen Juni. Wesentlicher Treiber der Erholung ist die Hoffnung auf eine Lösung des Glyphosat-Streits. Allerdings hatten die Papiere vor dem ersten Urteil gegen Bayer noch mehr als 93 Euro gekostet./mis/nas/jha/