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Nachrichten und Analysen

17.02.2020 Quelle: dpa
ROUNDUP: Deutsche Börse legt wie erwartet zu - Dividende enttäuscht
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Börse hat 2019 von der anhaltend hohen Nachfrage nach Absicherung von Risiken, dem regen Handel an den Finanzmärkten und auch Übernahmen profitiert. Die Nettoerlöse legten um sechs Prozent auf 2,94 Milliarden Euro zu, teilte der im Dax notierte Finanzkonzern am Montagabend in Frankfurt mit. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um rund acht Prozent auf 1,81 Milliarden Euro geklettert. Unter dem Strich verdiente der Konzern etwas mehr als eine Milliarde Euro - fast 22 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der überproportionale Anstieg geht darauf zurück, dass 2019 weniger Sonderkosten für den Konzernumbau als noch 2018 angefallen sind. Die Dividende soll um 20 Cent auf 2,90 Euro je Aktie steigen. Das Ergebnis lag im Großen und Ganzen im Rahmen der Analystenerwartungen, die Dividendenhöhe enttäuscht dagegen etwas. Dies könnte dazu führen, dass die zuletzt von einem Rekordhoch zum nächsten kletternde Aktie etwas unter Druck geraten könnte. Auf der Handelsplattform Tradegate gab das Papier in einer ersten Reaktion auf die Zahlen leicht nach - die Anteile der Deutschen Börse hatten aber im Xetra-Handel zugelegt und dabei mit 155,60 Euro ein weiteres Rekordhoch erreicht. Die Aktie gehört seit einiger Zeit zu den deutschen und europäischen Standardwerten mit den höchsten Kursgewinnen. Der seit Anfang 2018 amtierende Konzernchef Theodor Weimer, dessen Vertrag erst vergangene Woche um weitere vier Jahre bis Ende 2024 verlängert wurde, war mit dem Ergebnis zufrieden. "Nach einem starken Vorjahr konnten wir 2019 weiteres sehr solides Wachstum erzielen. Darüber hinaus hat der Fokus auf externes Wachstum im Jahr 2019 mit den Akquisitionen von Axioma und UBS Fondcenter sehr gute Früchte getragen." Im laufenden Jahr peilt der Konzern weiter einen Anstieg der Nettoerlöse aus strukturellen Wachstumschancen von mindestens fünf Prozent an. Diese Vorgabe hatte Weimer im Mai 2018 im Rahmen eines dreijährigen Wachstumsplan ("Roadmap 2020") ausgerufen. Da die Ziele der damaligen Strategie abgearbeitet sind, will Weimer am 28. Mai bei einem Kapitalmarkttag in London seine neuen Pläne für das Unternehmen vorstellen. Beim Ausblick auf das laufende Jahr werde neben dem Plus bei den Nettoerträgen ein Anstieg des um Sondereffekte bereinigten Gewinns auf rund 1,20 Milliarden Euro angepeilt. Das wäre ein Plus von etwas mehr als acht Prozent. Im vergangenen Jahr stieg dieser Wert um zehn Prozent auf 1,11 Milliarden Euro. Am Dienstagvormittag lädt die Deutsche Börse zur Bilanz-Pressekonferenz bei der die Zahlen detailliert erläutert werden - am Nachmittag folgt eine Veranstaltung für Analysten. Dabei erhoffen sich Analysten und Experten auch Aussagen zu möglichen weiteren Übernahmen. Weimer ist weiter auf der Suche nach geeigneten Zielen - im Visier hat er dabei vor allem Handelsplätze für Devisen. Hier war er zuletzt erfolglos. Dafür konnte er Anfang des Jahres in einem anderem Segment zuschlagen- nämlich im Fonds-Geschäft. Für rund 360 Millionen Euro sicherte sich der Konzern 51 Prozent der UBS-Fondsvertriebsplattform Fondcenter - eine Komplettübernahme ist nicht ausgeschlossen. Die Übernahme sei ein weiterer strategischer Schritt innerhalb der "Roadmap 2020", hieß es bei der Ankündigung der Übernahme. Der frühere HVB-Chef Weimer will den Börsenbetreiber unter anderem mit Übernahmen unabhängiger vom Aktien- und Derivategeschäft machen. Ein Kandidat könnte dabei die State-Street-Plattform Currenex sein. Die "Financial Times" hatte Anfang Januar berichtet, dass die US-Bank diese verkaufen will und deshalb unter anderem mit dem deutschen Börsenbetreiber spricht. Von den Unternehmen gab es dazu bisher keinen Kommentar./zb/he
17.02.2020 Quelle: dpa
VIRUS/GESAMT-ROUNDUP 2: Risiken für Konjunktur und Autoindustrie
(neu: Aktualisiert mit Chemieindustrie im letzten Absatz.) FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Sorge um die Weltwirtschaft wächst angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in China. Einer Studie zufolge könnte das Virus der globalen Autoindustrie empfindlich schaden. Die Deutsche Bundesbank sieht Risiken für die deutsche Konjunktur. Nach Einschätzung des Chefs des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr werden die Schäden "überproportional größer" mit jedem Tag, an dem die Produktionsanlagen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stillstehen. Hersteller in Deutschland und anderen Ländern seien auf chinesische Vorleistungen angewiesen, die Vorräte reichten nicht ewig, sagte Felbermayr dem "Handelsblatt" (Montag). Ein vorübergehender Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage in China könnte den deutschen Export dämpfen, erläuterte die Deutsche Bundesbank im aktuellen Monatsbericht. China ist ein wichtiger Markt für Waren "Made in Germany". Zugleich werden dort zahlreiche Produkte hergestellt - auch für die Weiterverarbeitung in anderen Ländern. Durch die Sicherheitsvorkehrungen wegen des Virus könnten einige globale Wertschöpfungsketten beeinträchtigt werden, hieß es im Monatsbericht. "Lieferengpässe in einzelnen Branchen hierzulande wären die Folge", schrieben die Bundesbank-Experten. Aus Sicht des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hängen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie davon ab, wie lange die Produktion in China behindert wird. "Nach unserer Schätzung könnte das Wirtschaftswachstum in China im ersten Quartal um etwa 2,5 Prozentpunkte gedämpft werden", sagte Konjunkturexperte Roland Döhrn der dpa. Im Vergleich zum Vorjahr läge es dann nur zwischen drei und vier Prozent statt wie erwartet bei sechs Prozent. "Diese Entwicklung wird sich auch in Deutschland bemerkbar machen, insbesondere durch geringere Exporte und eine stockende Lieferung von Vorprodukten durch chinesische Zulieferer", erläuterte Döhrn. Einer Studie zufolge könnte das Sars-CoV-2 genannte Virus der globalen Autoindustrie empfindlich schaden. Allein in der besonders betroffenen chinesischen Provinz Hubei würden an gut einem Dutzend Standorten fast zwei Millionen Autos pro Jahr gefertigt, heißt es in der Analyse der Beratungsgesellschaft BCG. Das seien etwa acht Prozent der Fahrzeugproduktion Chinas. Das neuartige Coronavirus habe schon viele Branchen in Mitleidenschaft gezogen, heißt es der Studie der Boston Consulting Group (BCG). "Aber die Autoindustrie sticht hervor als eine, die die Auswirkungen schnell und tief spürt angesichts der entscheidenden Rolle Chinas." So sei das Land der größte Absatzmarkt für Neuwagen und zugleich wichtiger Standort für Hersteller und Zulieferer. "Die Autoindustrie wird lokal und rund um den Globus betroffen sein", schreiben die Berater mit Blick auf gestörte Lieferketten. Für deutsche Hersteller wie Mercedes-Benz, Audi, BMW, Volkswagen und Porsche ist China der wichtigste Markt. Bei VW steht die Volksrepublik für gut 40 Prozent der Auslieferungen. Und bei der Umstellung auf Elektro-Autos sind die Konzerne auf Batteriezellen aus China angewiesen. Auch US-Hersteller sind von Fernost abhängig: GM verkaufe mehr Autos in China als in den USA, so BCG. Die neuartige Lungenkrankheit hat schon die deutschen Autokonzerne getroffen. So hatte BMW wegen des Coronavirus die chinesischen Neujahrsferien an seinem weltgrößten Standort in der Millionenstadt Shenyang verlängert. Volkswagen musste die Produktionsaufnahme wegen der Epidemie teils weiter verschieben. Die Fertigung in den Werken des Gemeinschaftsunternehmens mit Shanghai Automotive (SAIC) solle erst am 24. Februar statt an diesem Montag wieder aufgenommen werden, erklärte der Konzern. Grund seien Probleme in den Lieferketten und der Logistik sowie nur begrenzte Reisemöglichkeiten für Mitarbeiter. Die anderen Werke, die mit Hersteller First Automotive Works betrieben werden, hätten zum Teil die Produktion wieder aufgenommen oder dürften "in den kommenden Tagen" alle wieder laufen, hieß es. Die Chemieindustrie spürt bislang "kaum Auswirkungen" für die Branche in Deutschland. In China aber hätten deutsche Chemiefirmen schon die Produktion gedrosselt, so der Branchenverband VCI. Die Nachfrage in der Volksrepublik sei gesunken, und Wertschöpfungsketten seien beeinträchtigt. "Mit jedem weiteren Tag, den die Corona-Epidemie andauert, vergrößert sich das Risiko negativer Folgen für die globale Wirtschaft", warnte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup./mar/als/DP/men