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Nachrichten und Analysen

Heute 26.09.2020 12:37:13 Quelle: dpa
ROUNDUP/Braunkohle-Proteste: Kohlebunker besetzt, Zugverkehr beeinträchtigt
ERKELENZ/AACHEN (dpa-AFX) - Im rheinischen Braunkohlerevier ist es am Samstag immer wieder zu Besetzungen und Blockaden von Kohleanlagen gekommen. Demonstranten waren unter anderem in den Tagebau Garzweiler eingedrungen, wie die Polizei berichtete. Bei Aachen kletterten mehrere Menschen auf einen Kohlebunker des Braunkohlekraftwerks Weisweiler. Das Bündnis Ende Gelände, das die Aktionen organisiert hat, fordert den sofortigen Ausstieg aus der Nutzung von Kohle und Gas für die Stromerzeugung in Deutschland. Die Protestaktionen hatten auch Auswirkungen auf den Zugverkehr in der Region. Regionalzüge und S-Bahnen seien wegen polizeilicher Ermittlungen umgeleitet worden oder ganz ausgefallen, teilte die Deutsche Bahn über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die Polizei kündigte an, es könne im Zugverkehr "kurzfristig zu weiteren Sperrungen und Maßnahmen kommen". Eine Sprecherin des Aktionsbündnisses Ende Gelände warf der Polizei vor, sie habe Züge gestoppt, um die Anreise von Aktivisten zu angemeldeten Versammlungen zu erschweren. Bei der Aachener Polizei hieß es, die Sperren an einzelnen Bahnhöfen seien "taktische Maßnahmen", mit denen das Eindringen weiterer Personen in den Tagebau verhindert werden solle. Das Aktionsbündnis Ende Gelände kündigte an, dass sich im Laufe des Tages etwa 3000 Teilnehmer an Blockadeaktionen beteiligen sollten. Sie näherten sich in mehreren Gruppen dem Tagebau. Die Polizei hat ein Großaufgebot im Einsatz. Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach hatte ein konsequentes Einschreiten bei gewalttätigen und rechtswidrigen Aktionen angekündigt. Die Proteste richten sich diesmal nicht nur gegen die Braunkohle. Auch vor einem Gaskraftwerk in Düsseldorf zogen etwa 150 Demonstranten auf, wie die Polizei bestätigte. Auch Gas sei "extrem klimaschädlich", sagte eine Sprecherin von Ende Gelände. Deshalb müsse sofort aus allen fossilen Energien ausgestiegen werden. Für den Mittag hatten die Initiative Alle Dörfer bleiben und die Bewegung Fridays for Future am Tagebau Garzweiler II zu einer Demonstration aufgerufen. RWE will im Zuge des weiteren Kohleabbaus die Bewohner von fünf Dörfern umsiedeln und die Ortschaften abbaggern./hff/DP/nas
Heute 26.09.2020 12:21:31 Quelle: dpa
ROUNDUP 2/Corona im Griff: Erholung in China ist 'Rettungsanker' für Autobauer
(neu: BMW, VW) PEKING (dpa-AFX) - In der globalen Corona-Krise ist die Erholung des chinesischen Automarkts ein "Rettungsanker" für die deutschen Autobauer. Zum Auftakt der internationalen Autoausstellung am Samstag in Peking sagten Experten einen weiteren Zuwachs auf dem weltgrößten Automarkt bis Jahresende und auch im nächsten Jahr voraus. Während das Geschäft weltweit stark eingebrochen ist, wächst die Bedeutung Chinas damit noch. Eine Sprecherin des Volkswagenkonzerns sah in der Erholung in China einen "Anker" im globalen Autogeschäft. Experten sprachen von einem "wesentlichen Stützpfeiler", warnten aber auch vor allzu großer Abhängigkeit und politischer Erpressbarkeit. Die "Auto China 2020" ist die erste große internationale Ausstellung der Branche seit mehr als einem halben Jahr. China hat das Coronavirus weitestgehend unter Kontrolle und zählt schon länger kaum noch lokale Infektionen. So konnte die im Frühjahr zunächst verschobene Ausstellung nachgeholt werden. Zum Auftakt drängten sich Besucher in den Hallen, obwohl die Veranstalter dazu aufforderten, einen Meter Abstand zu halten. Auch galt unverändert Maskenpflicht. Die Messe wird abwechselnd in Shanghai und Peking abgehalten und zählt zu den größten der Autobranche. Sonst kommen Millionen von Besuchern aus dem In- und Ausland. Aus Angst vor einer Einschleppung des Virus beschränkt China aber die Einreise streng und verlangt zwei Wochen Quarantäne. Auch gibt es nur wenig Flüge nach China. So fehlten in diesem Jahr die Chefs der Autokonzerne und angereisten Vorstandsmitglieder. "Das entspannt die ganze Messe", sagte ein Manager, der mit den Vorbereitungen vertraut ist. Anders als im globalen Autogeschäft sind die Aussichten für China rosig. "Ich rechne mit einem sehr guten Absatz in der zweiten Hälfte des Jahres", sagte Cui Dongshu von Chinas Personenwagenvereinigung (CPCA). Nach dem Einbruch wegen der Pandemie in der ersten Hälfte des Jahres werde sich der erwartete Rückgang für das Gesamtjahr auf ein Minus von nur noch fünf bis acht Prozent verkleinern. Trotz aller Unsicherheiten rechnet Cui Dongshu 2021 wieder mit einem Zuwachs von acht Prozent. Andere Fachleute sagten auch ein Plus von fünf bis sieben Prozent voraus und beschrieben China als "Rettungsanker". "Ohne China wäre die deutsche Autoindustrie kaum wiederzuerkennen", sagte Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research (CAR). Mercedes habe im zweiten Quartal einen Rückgang weltweit von 20 Prozent erlitten, aber den Absatz in China um 22 Prozent gesteigert, verdeutlichte der Experte die Lage. Bei BMW habe es "noch krasser" ausgesehen: Einem weltweiten Einbruch von 25 Prozent habe im zweiten Quartal ein Zuwachs von 17 Prozent in China gegenübergestanden. Damit steigt der Anteil Chinas am globalen Geschäft. Beim VW-Konzern sind es nach eigenen Angaben in den ersten acht Monaten des Jahres 40 Prozent gewesen. Eine starke Abhängigkeit von einer großen Region sei immer ein Risiko, findet Dudenhöffer. "Die Frage ist aber, welches Risiko ist größer: Die Abhängigkeit von China oder in China zum Nischenanbieter zu werden?" Risiken in China könnten "handhabbar" und "tragbar" gemacht werden, meinte der Experte. Ein viel größeres Risiko seien die unberechenbaren USA unter US-Präsident Donald Trump, meinte Dudenhöffer. "Wenn Trump einen schlechten Tag hat und ein paar Wählerstimmen braucht, erhebt er über Nacht Zölle gegenüber der deutschen Autoindustrie." Seine Zollkriege hätten deutschen Autobauern schon Milliarden-Verluste beschert. Wo der Markt in Europa und den USA nicht so gut laufe, zeige sich, "wie dramatisch wichtig dieser Markt ist", meinte auch Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM). China sei "schon mehr als ein Hoffnungsträger". "Im Moment rettet China so ein bisschen den Weltmarkt." Es sei "ein wichtiger Anker gerade für die deutschen Autobauer". Hersteller könnten es sich nicht leisten, China auszuklammern, dürften aber andere Märkte nicht vernachlässigen. Die wachsende Abhängigkeit sei nicht unproblematisch. "Wenn der Markt ein Problem bekommt und man ist dort weit überproportional aktiv, dann kann man in Turbulenzen geraten", sagte Bratzel. "Ein sehr hoher Marktanteil in China bedeutet natürlich auch eine Art Abhängigkeit politischer Dimension bis hin zu Erpressbarkeit." Auch wenn der Anteil im globalen BMW-Geschäft gerade wächst, sieht der Münchner Autobauer keine allzu große Abhängigkeit von China. BMW sei breit aufgestellt, sagte China-Chef Jochen Goller. Der Markt in Europa sei für BMW "weit größer" als der in China. "Wir haben eine gute Balance." Auch sagte Goller: "Es ist keine Option, in China nicht zu wachsen." Für den Rest des Jahres erwarte BMW noch "sehr starkes Wachstum". Nach dem anfänglichen Rückgang des Absatzes in China durch die Corona-Krise ziele BMW für das gesamte Jahr auf ein "einstelliges Wachstum", wie Goller sagte. Hinter der Wende steckt die unerwartet schnelle wirtschaftliche Erholung in China, das als erste große Volkswirtschaft wieder Wachstum zeigt. Auch die Angst der Menschen, in der Pandemie öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, gilt als Motivationsfaktor für einen Autokauf. Der Absatz von Personenwagen stieg im August um 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 1,73 Millionen - nach einem Plus von 7,9 Prozent im Juli. Elektrofahrzeuge verkauften sich mit einem Zuwachs von 45 Prozent im August auf 82 500 noch besser./lw/DP/nas
Heute 26.09.2020 12:10:23 Quelle: dpa
Ex-Daimler-Vorstandschef Zetsche wird doch nicht Aufsichtsrat
STUTTGART (dpa-AFX) - Der frühere Vorstandschef Dieter Zetsche kehrt kommendes Jahr nicht wie geplant als Aufsichtsratschef zum Autobauer Daimler zurück. Zetsche schloss einen solchen Schritt in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" aus. "In letzter Konsequenz habe ich mich entschieden, dass ich das nicht will, dass ich darauf verzichte", sagte der 67-Jährige. Zetsche war von Januar 2006 bis Mai 2019 Vorstandschef beim Stuttgarter Autobauer, ehe er seinen Posten an Ola Källenius abgab. Allerdings war in den Führungsgremien verabredet worden, dass Zetsche 2021 den Aufsichtsratsvorsitz von Manfred Bischoff übernehmen sollte. Diese Pläne stießen allerdings zuletzt auf immer mehr Kritik bei vielen Daimler-Aktionären. Zetsche wird unter anderem vorgeworfen, sich zum Ende seiner Zeit als Vorstandschef auf den Rekorden der zurückliegenden Jahre ausgeruht und wichtige Weichenstellungen vor allem für den Umstieg auf die Elektromobilität verschlafen zu haben. Die derzeitige Krise sei - mal abgesehen von unmittelbaren Folgen der Corona-Pandemie - hausgemacht, heißt es. Im zweiten Quartal hatte der Konzern zuletzt rund zwei Milliarden Euro Verlust eingefahren. Zetsche sagte jetzt, er habe im Sommer lange darüber nachgedacht, ob sein ursprünglicher Entschluss, kommendes Jahr in den Daimler-Aufsichtsrat zurückzukehren, noch gelte. "Natürlich hätte ich diese Aufgabe gerne gemacht. Ich glaube auch, dass ich sie gut gemacht hätte", sagte er, bekannte jedoch: "Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich dem Unternehmen einen Dienst tue. Und ob ich mir einen Gefallen tue, wenn ich diese Aufgabe jetzt übernehme." Dass er jetzt - nach 40 Jahren Berufsleben - "von manchen nicht als Hoffnungsträger, sondern als Belastung angesehen würde - nein, das brauche ich nicht". Zu der Frage, wer nun statt ihm neuer Aufsichtsratschef werden könne, äußerte sich Zetsche nicht näher. "Da bin ich raus, darüber habe ich keine Entscheidungen zu treffen."/mbr/DP/nas